VDAB legt „Charta der Professionellen Pflege“ vor

Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenpflege e. V. (VDAB) will die Rechte der professionellen Pflege in Deutschland stärken. Dazu hat der Verband jetzt in Berlin die „Charta der Professionellen Pflege“ vorgestellt.

Stephan Baumann ist Bundesvorsitzender des VDAB, blickt in die Runde der Pressekonferenz und sagt: „In Deutschland besteht ein erheblicher Mangel an Respekt und Vertrauen gegenüber der professionellen Pflege. Es ist an der Zeit, dagegen anzugehen und Respekt und Vertrauen für die Pflege einzufordern“.

Als ersten Schritt auf diesem Weg hat der Verband nun die „Charta der Professionellen Pflege in Deutschland“ veröffentlicht. Deren 8 Artikel sollen einen Beitrag zur Korrektur der Diskussionen in Öffentlichkeit, Politik und bei den Kostenträgern leisten, hofft der VDAB. „Denn die Misstrauenskultur gegenüber der professionellen Pflege und die anhaltende Empörungsrhetorik führen nicht zu einer besseren Pflege“, mahnt Baumann und ergänzt: „Das Ansinnen, in einem Bereich, in dem Menschen arbeiten, völlige Fehlerfreiheit zu erreichen, ist unmenschlich“.

Die Charta, so der Verbandsvorsitzende, könne einer der wesentlichen Schlüssel zur Lösung vieler zentraler Punkte sein, wie z. B des Fachkräftemangels.

Die Verantwortung für die schlechten Bedingungen liegt bei der Politik und bei den Kostenträgern

Die jetzt veröffentlichte „Charta der Professionellen Pflege“ soll gleichberechtigt neben der aus dem Jahr 2005 stammenden Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen stehen. Die Umsetzung der letzteren sei jedoch an eine Reihe von Voraussetzungen gebunden, die erkennbar fehlen. Hierfür verantwortlich seien die Bundes- und Landesgesetzgeber, die Kostenträger und Prüfinstitutionen – und damit nicht die professionelle Pflege, weist Petra Schülke, stellvertretende Bundesvorsitzende des VDAB, hin. „Dies wird sowohl in der politischen als auch in der öffentlichen Diskussion völlig ausgeblendet.“

„Immer häufiger kommen wir uns als Erfüllungsgehilfe gesetzlich definierter Ansprüche vor“, führt Baumann weiter aus. Dabei gehe es „nur mit der professionellen Pflege und nicht dagegen“. Es sind die extern vorgegebenen Rahmen- und Arbeitsbedingungen der Pflege, anstatt, wie oft behauptet, Defizite in der Arbeit der professionellen Pflege, die der Charta der hilfe- und pflegebedürftigen Menschen entgegen stehen, so der Verbandsvorsitzende.

Die Grundrechte der Bewohner in Pflegeheimen sind erheblich eingeschränkt

Die Artikel der „Charta der Professionellen Pflege“ gehen auf folgende Themen ein: Grundrechte der Pflegeeinrichtungen (Artikel 1), Eigenverantwortliche Unternehmensführung (Art. 2), Anerkennung und Wertschätzung (Art. 3), Respekt und Vertrauen (Art. 4), Gleiches Recht für alle, die professionell pflegen (Art. 5), Faire Grundlagen für den Interessensausgleich zwischen Einrichtungen und Kostenträgern (Art. 6), Professionelle Pflege als eigenständiger Leistungsbereich (Art. 7) sowie Mitbestimmung und Gestaltung für Gegenwart und Zukunft der professionellen Pflege (Art. 8).

Konkret heißt es u.a.: Erheblich eingeschränkt seien die Grundrechte zur Selbstbestimmung von Bewohnern in Pflegeheimen. So dürfe die Heimaufsicht in allen Bundesländern Taschengeldkonten, Wertsachen, Schmuck etc. kontrollieren, auch ohne Zustimmung der Bewohner und sogar gegen ihren Willen.

Das Recht auf die Unverletzlichkeit der Wohnung werde nicht immer geachtet, mahnt Schülke weiter und ergänzt, dass es „in der Realität nahezu ausgeschlossen ist, die Maßnahmen der staatlichen Stellen und der Prüfinstitutionen gerichtlich überprüfen zu lassen“.

Der Beitrag ist von Herrn Michael Schulz von sc-Newsletter zur Verfügung gestellt worden.

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