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ReSet der Pflegedokumentation gefordert

Elisabeth Beikirch, ehemalige Ombudsfrau für die Entbürokratisierung in der Pflege im Bundesministerium für Gesundheit, hat auf dem 18. Fachgespräch ambulante Pflege – FAP des Berliner AnbieterVerbandes qualitätsorientierter Gesundheitspflegeeinrichtungen e. V. (AVG) ein ReSet der Pflegedokumentation gefordert. Ziel müsse die Rückgewinnung der Dokumentation für den beruflichen Alltag sein, so die Pflegeexpertin.

Im Rahmen des Fachgespräches hat Beikirch das im Frühjahr 2014 abgeschlossene Projekt „Praktische Anwendung des Strukturmodells – Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation in der ambulanten und stationären Langzeitpflege“ des Bundesgesundheitsministeriums vorgestellt.

Von dessen Ergebnissen ist sie „absolut überzeugt“ – und steht damit in einer Reihe mit allen wesentlichen Akteuren der Pflegebranche. Diese haben zu einer schnellen Implementierung der „neuen Form der Pflegedokumentation“ aufgefordert. Als Zeitspanne sind die nächsten zwei Jahre vorgesehen. Zur Implementierung soll es für die Pflegeeinrichtungen Hilfestellungen geben.

„Wenn wir nicht nachhaltig die Pflegedokumentation überarbeiten, will niemand mehr in der Pflege arbeiten“

„Wenn wir nicht nachhaltig die Pflegedokumentation überarbeiten, will niemand mehr in der Pflege arbeiten. Vorgefunden haben wir ein sehr distanziertes Verhältnis zur Dokumentation. So besteht beispielsweise bei einer IT-gestützten Dokumentation vielfach überhaupt kein Gefühl mehr dafür, wie umfangreich die Pflegedokumentation aufgebaut ist“, mahnt Beikirch.

Wichtig ist ihr, dass es sich bei der jetzt gefundenen Lösung um ein Strukturmodell und keine Musterdokumentation handelt. Und dass es um eine Rückgewinnung von zeitlichen Ressourcen für die direkte Pflege geht. Zudem müsse die neue Form der Pflegedokumentation anschlussfähig für den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff sein, so Beikirch.

„Wie kann man bei einer Pauschalvergütung bis zu 60 Haken pro Tag setzen?“

„Wie kann man im stationären Bereich bis zu 60 Haken pro Tag setzen? Dort gibt es doch eine Pauschalvergütung. Wie kommt so etwas zu Stande?“, wundert sich die ehemalige Ombudsfrau und rät, sich jeden einzelnen Bogen der derzeit angewandten Dokumentation anzusehen und kritisch zu hinterfragen, „wozu habe ich es, warum mache ich es?“. Denn nicht immer brauche man gleich einen neuen Dokumentationsbogen, wenn ein Fehler gemacht wurde.

„Die Pflegedokumentation darf nicht zum Trauma der Pflegenden werden“, weiß Beikirch und sagt: „Ja, wir haben die Glocke des Schweigens gelüftet“. Verblüfft hat sie dabei der schematische Umgang mit der Risikoeinschätzung bei der bisherigen Dokumentation, „denn so steht das in den Expertenstandards nicht drin“. Warum hat bisher niemand dieses „fachliche Missverständnis“ angesprochen, fragt sie sich. Ein Zurück zur Normalität fordert sie auch bei der Biografiearbeit.

Strukturierte Informationssammlung ist das entscheidende Element der neuen Grundstruktur

Beikirch will eine Ablösung des schematischen Ankreuzverfahrens als Prinzip der Pflegedokumentation. Die strukturierte Informationssammlung ist für sie dabei das entscheidende Element.

Insgesamt gehe es um die Beschränkungen der Aufzeichnungen im Pflegebericht auf die Abweichungen in der Routineversorgung. So können Einzelleistungsnachweise in der Grundpflege bei stationärer Pflege wegfallen – sofern verbindliche Vorgaben im internen Qualitätsmanagement und standardisierte Leistungs- und Stellenbeschreibungen vorliegen. Nicht verzichtbar sei der Einzelnachweis jedoch bei Leistungen der Behandlungspflege und in der ambulanten Pflege – sofern dieser bei letzterer für die Leistungsabrechnung benötigt werde.

Die Grundstruktur der neuen Pflegedokumentation, erläutert Beikirch, basiere auf den vier Elementen „strukturierte Informationssammlung, einer individuellen Maßnahmenplanung, dem Pflegebericht (beschreibt Abweichungen) und der Steuerung durch gezielte individuelle Evaluationsdaten“.

Der Beitrag ist von Herrn Michael Schulz von sc-Newsletter zur Verfügung gestellt worden.

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