Meißner: „Die Kompetenz und nicht das Prestige einzelner Berufsgruppen muss zählen“

„In einem modernen Gesundheitswesen des 21. Jahrhunderts muss es um die Kompetenz und nicht um das Prestige einzelner Berufsgruppen gehen. Derzeit blockiert der Verteilungskampf des Geldes oft die Innovationen“, kritisierte Thomas Meißner, Präsidiumsmitglied des Deutschen Pflegerats (DPR), anlässlich des 44. Symposiums für Juristen und Ärzte zum Thema „Ausübung der Heilberufe – durch wen und wie?“. Meißner nahm im Rahmen des Symposiums zum Thema Delegation/ Substitution aus pflegerischer Sicht Stellung.

„Blockadehaltung muss ein Ende haben“

Für Meißner muss „die Blockadehaltung der Ärzteschaft und deren Festhalten an alten Gewohnheiten mit Blick auf die heute bestehenden Möglichkeiten des Einsatzes von hoch qualifizierten Pflegefachpersonen ein Ende haben“. Das Präsidiumsmitglied des Deutschen Pflegerats will eine grundlegende Reform aller Gesundheitsberufe. Ohne jegliche Vorbehalte und Polemik müsse es zu einer umfassenden Neuverteilung von Aufgaben der Ärzte und der Pflegefachpersonen kommen. Dabei müsse es um Expertise und Kompetenz und nicht um Hierarchien gehen.

Wer kann welche Aufgaben besser übernehmen?

Auf den Prüfstand will Meißner das in Deutschland vorherrschende arztzentrierte Gesundheitssystem wie auch die Ausbildungs- und Studieninhalte aller Gesundheitsberufe stellen. Dabei müsse klar sein, dass, wer Aufgaben im Rahmen der Substitution eigenverantwortlich übernehme, für diese auch die Haftung trage.

Im Mittelpunkt stehe die Grundsatzfrage: Wer kann im Gesundheitswesen welche Aufgaben besser zum Wohle der Bedürfnisse der Patienten übernehmen? „Lassen Sie endlich von einigen Ihrer Aufgaben los“, fordert Meißner die Ärzteschaft auf, „und werden sie zum Befürworter einer besseren Aufgabenteilung im Gesundheitswesen mit starken multiprofessionellen Teams“.

Die Praxis soll entscheiden, was tatsächlich sinnvoll ist

„Lassen Sie uns unter wissenschaftlicher Begleitung herausfinden, wie eine solche neue Aufgabenverteilung aussehen kann und ob sie in der Regelversorgung funktioniert“, forderte Meißner die Teilnehmer des 44. Symposiums auf, endlich Modellvorhaben nach § 63 Abs. 3c SGB V durchzuführen. „Es spricht nichts dagegen, mit den Modellvorhaben in die wissenschaftlich begleitete Testphase einzusteigen und die Praxis entscheiden zu lassen, was tatsächlich sinnvoll ist“, machte Meißner deutlich. „Doch offensichtlich haben die Ärztelobbyisten so große Angst, dass die Modellvorhaben positiv im Sinne der Pflege ausgehen könnten, dass sie diese zu verhindern versuchen.“

Meißner verwehrt sich zudem gegen die Bezeichnung der Fachberufe in der Pflege als „nichtärztliche Berufe“. „Ein solcher Sprachgebrauch passt nicht mehr in unsere Zeit. Er zeigt den mangelnden Respekt vor der hohen Qualität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Pflege und der anderen Berufe im Gesundheitswesen.“

Der Beitrag ist von Herrn Michael Schulz von sc-Newsletter zur Verfügung gestellt worden.

Kategorie: News

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