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Wie kann man Fachkräfte in der Pflege halten? Neues Forschungsprojekt

Das Bundesforschungsministerium hat die Universitäten Frankfurt am Main und Witten/ Herdecke beauftragt zu erforschen, wie Pflegekräfte im Job gehalten werden können und wie man ihrer Abwanderung aus dem Berufsfeld konstruktiv begegnen kann.

Denn die Schere gehe immer weiter auf, heißt es seitens der Universität Witten/ Herdecke. Es gebe immer mehr pflegebedürftige ältere Menschen und gleichzeitig immer weniger professionelle Pflegekräfte in Krankenhäusern, Alteneinrichtungen und ambulanten Diensten.

Die Gründe hierfür seien vielfältig: Lästige und den Arbeitsalltag dominierende Dokumentationsroutinen, hoher Zeitdruck im Pflegealltag als Folge von ökonomischen Zwängen der Einrichtungen, große Unterschiede zwischen dem, was in der Pflegeausbildung vermittelt wird und dem, was in der Pflegepraxis tatsächlich umsetzbar ist.

Programme zur Gesundheitsförderung beseitigen nicht die Ursachen

„Die Folgen sind eindeutig: Viele Pflegende hören auf mitzudenken, klagen über Burnout, die Qualität der Versorgung sinkt und der Krankenstand steigt. Darauf reagieren die meisten Einrichtungen mit Programmen zur Gesundheitsförderung. Wir meinen aber, dass das nur ein Kurieren der Symptome ist und nicht die Ursachen beseitigt“, bringt Prof. Dr. Ulrike Höhmann, Pflegewissenschaftlerin und Projektleiterin an der Universität Witten/ Herdecke die Projektidee von „Arbeitsprozessintegrierte Kompetenzaktivierung und -entwicklung in der Pflege (AKiP)“ auf den Punkt.

Führungskräfte stehen in der Verantwortung

Höhmann hält eher Probleme innerhalb der Einrichtungen für ursächlich und sieht die Führungskräfte in der Verantwortung: „Sie müssen befähigt werden, neue Strukturen zu entwickeln, um die Ideen und Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter für die alltägliche Arbeit nutzbar zu machen“.

Laura Schwarz, Diplompädagogin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt, weist außerdem darauf hin, dass die Erfahrungswerte von Pflegekräften in der Praxis oft erstaunlich wenig gelten. Darum zielt das Projekte auf die Frage: Was können Vorgesetzte tun, damit Mitarbeiter ihre individuellen Kompetenzen am Arbeitsplatz sinnvoll einbringen, weiterentwickeln und für alltägliche Handlungsprozesse nutzbar machen können?

Stärken pflegen anstatt „Best-Practice-Beispiele“ unreflektiert übernehmen

„Stärken pflegen“ ist die Idee, denn wenn Pflegekräfte ihr Können auch zeigen und neue Ideen entwickeln dürfen, dann wirkt das motivierend und die Identifikation mit der Arbeit wächst. „Die Realität sieht aber leider eher so aus, dass Einrichtungen die Vorgehensweisen angeblicher Best-Practice-Beispiele unreflektiert übernehmen, ohne zu prüfen, ob diese auf die eigenen Rahmenbedingungen überhaupt übertragbar und in der Lage sind, die Probleme im eigenen Haus zu lösen. Die Abläufe in der Pflege werden dann schnell an ökonomischen Zwängen ausgerichtet, die erst dadurch entstehen, dass Theorie und Praxis nicht zueinander passen“, beklagt Höhmann.

Statt unreflektiert Konzepte zu übernehmen, sollten Leitungskräfte die Handlungsspielräume ihrer Mitarbeiter so erweitern, dass diese in der Lage sind, eigene Konzepte zu entwickeln und mit neuen Anforderungen innovativ und im Sinne ihrer Patienten umzusetzen. Handlungsempfehlungen dazu, wie das konkret gelingen kann, sollen Ende 2017 vorgelegt werden.

Der Beitrag ist von Herrn Michael Schulz von sc-Newsletter zur Verfügung gestellt worden.

Kategorie: News | Tags: ,

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