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Wie viel Ökonomie verträgt die Pflege?

Den Internationalen Tag der Pflegenden hat der Weltverband der Pflegeberufe ICN unter das Motto „Professionelle Pflege: wirksam und wirtschaftlich“ gestellt. Dies nimmt der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) jetzt zum Anlass, Stellenwert und Einfluss der „Wirtschaftlichkeit“ im deutschen Gesundheitssystem kritisch zu hinterfragen. „Wie wirksam Pflege ist, wird leider allzu häufig erst dann bemerkt, wenn sie fehlt oder weggespart wurde. Pflegefachpersonen sind die tragende Säule in der Versorgung alter, kranker und pflegebedürftiger Menschen. Wo sie wegbricht, hat das dramatische Auswirkungen für die Betroffenen – in Deutschland tritt das immer stärker zutage“, sagt DBfK-Präsidentin Prof. Christel Bienstein. „Weltweit haben viele Gesundheitssysteme in den letzten Jahren unter dem Druck der Weltwirtschaftskrise erhebliche Kürzungen vorgenommen. Zu spüren bekamen dies vor allem die beruflich Pflegenden und ihre Patientinnen und Patienten. Dass im Wirtschaftswunderland Deutschland Pflege immer stärker implizit rationiert wird, liegt nicht am fehlenden Geld. Sondern daran, wofür man es einsetzen möchte und wer welches Stück vom Kuchen für sich beansprucht. Die Pflegenden in Krankenhäusern, Heimen und der häuslichen Pflege zerbrechen daran, dass sie tagtäglich nicht mehr tragbare Kompromisse schließen müssen und sich keine positive Entwicklung dessen abzeichnet“, so Bienstein weiter.

Wie viel Ökonomie hält die Pflege, halten kranke, alte und pflegebedürftige Menschen überhaupt noch aus? Wie lange können die seit Jahren völlig überlasteten beruflich Pflegenden das System noch aufrechterhalten? Wer erklärt der Bevölkerung, dass sie zwar ein gesetzlich verbrieftes Recht auf pflegerische Leistungen besitzt, viele davon aber nicht erbracht werden? Darf Politik, darf eine Gesellschaft hinnehmen, dass private Investoren auf Kosten der Solidargemeinschaft hohe Renditen erwirtschaften? Wie weit darf sich ein Staat, was seinen Versorgungsauftrag angeht, aus der Verantwortung stehlen? Was ist ein Gesundheitssystem wert, das nach außen weltweit Vorbild sein will, tatsächlich aber einerseits Millionen verschwendet und andererseits an den Schwächsten spart? Aus Anlass des diesjährigen Tags der Pflegenden fordert der DBfK politische Mandatsträger in Bund und Ländern sowie die Verantwortlichen in den Einrichtungen auf, schnellstens für eine spürbar bessere Pflegepersonalbemessung in den Einrichtungen zu sorgen. Denn die Ressourcen an Energie und Motivation, die Mängel noch zu kompensieren, sind inzwischen vollständig aufgebraucht.

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK)
Alt-Moabit 91, 10559 Berlin
Tel.: 030-2191570
Fax: 030-21915777
dbfk@dbfk.de
www.dbfk.de

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Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR). Mehr Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke finden Sie auf der Homepage www.dbfk.de. Für Interviewwünsche oder weitere Informationen wenden Sie sich bitte per E-Mail an presse@dbfk.de oder rufen Sie uns unter 030-219157-0 an.

Kategorie: News | Tags: ,

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