Pflege-Thermometer 2016: Erhebliche Lücken im Personalbereich

„Die ambulante Pflege ist ein wachsender Markt mit steigender Bedeutung und hat mit limitierenden Faktoren zu kämpfen.“ Das ist ein wesentliches Ergebnis des Pflege-Thermometers 2016, veröffentlicht vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) in Köln. Laut dem Institut handelt es sich dabei um die „bislang größte Befragung zur Situation der ambulanten Pflege in Deutschland“.

Demnach steigt die Zahl der pflegebedürftigen Menschen, die der ambulanten Einrichtungen sowie die des dort beschäftigten Personals in den letzten Jahren in allen Bundesländern deutlich an. Ein weiterer wichtiger Punkt: Die verantwortlichen Personen jedes zweiten Dienstes blicken tendenziell optimistisch in die Zukunft.

Fachkraftmangel bremst

Begrenzend wirke hierbei allerdings der Fachkräftemangel. „Die Studie offenbart erhebliche Lücken im Personalbereich. Wir müssen einen gravierenden Fachkräftemangel in der ambulanten Pflege feststellen“, sagte Studienleiter Prof. Dr. Michael Isfort. Aktuell gebe es, je nach Modellberechnungen für dreijährig ausgebildete Fachkräfte, zwischen 21.200 und 37.200 offene und derzeit nicht zu besetzende Stellen.

Ablehnung an der Tagesordnung

Der Fachkraftmangel sei dabei bereits versorgungsrelevant, denn rund ein Drittel der befragten Dienste musste im vergangenen Jahr bereits Klientenanfragen aufgrund von Personalmangel ablehnen, weist Isfort hin.

Weiterhin würden nicht kostendeckende Leistungen ein finanzielles Risiko für die Einrichtungen darstellen. Unterfinanziert seien insbesondere erhöhte Betreuungszeiten in Krisensituationen und bei der Sterbebegleitung, Anfahrtswege von mehr als 25 Minuten sowie Beratungsbesuche, die im Rahmen der Pflegeversicherung vorgeschrieben seien.

Lücken in der Versorgung

Fast 30 Prozent der 1.653 Befragten nehmen Lücken bei der flächendeckenden Versorgung an ambulanten Leistungen in ihrer Region wahr. Zudem können derzeit über 40 Prozent der Dienste eine Mitarbeit an weiterführenden quartiersbezogenen und gemeinwesenorientierten Ansätzen nicht leisten, da sie vollständig in das Tagesgeschäft eingebunden seien.

Teilzeitquote muss reduziert werden

„Es ist angesichts der Studienergebnisse dringend geboten, die Pflegeausbildung und Bildungsplanung zu stärken, die Teilzeitquote in der ambulanten Pflege zu reduzieren, Leistungszuschläge aufzunehmen sowie die Netzwerkarbeit strukturiert zu fördern“, empfiehlt Isfort.

Der Beitrag ist von Herrn Michael Schulz von sc-Newsletter zur Verfügung gestellt worden.

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